
Steigende Zinsen und Lebensmittelpreise: Kommt die Stagflation?
Die US-Regierung unter Trump und ihr nahestehende Medien scheinen etwas aus der Zeit gefallen. Die Berichterstattung konzentriert sich derzeit vor allem darauf, wann sich der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder normalisiert. Diese Frage ist jedoch deutlich schwieriger zu beantworten, als vielen Kommentatoren lieb ist.
Ohne Frage handelt es sich um ein wichtiges Thema. Doch eine weitere Entwicklung erfordert genauso viel Aufmerksamkeit: die starken Turbulenzen an den globalen Märkten für Staatsanleihen. Der Zinssatz für zehnjährige US-Staatsanleihen liegt derzeit bei 5,2 % – im März dieses Jahres waren es noch 4,3 %. In Großbritannien stieg der Zinssatz für zehnjährige Staatskredite im selben Zeitraum von 4,9 % auf 5,4 %, in Japan von 2,4 % auf 2,9 %.
Hauptursache für diese Entwicklung ist die Sorge vor steigender Inflation. Diese Erwartung wird durch kletternde Energiepreise und drohende Energieengpässe angetrieben. Verantwortlich dafür sind die Sperrung der Straße von Hormus sowie die kriegs- und terrorbedingte Zerstörung von Raffinerien und Lagern.
Die daraus entstehende Teuerung gilt bereits als unvermeidbar. Das zeigt auch der Vergleich zwischen den Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen und den erwarteten Rohölpreisen. Vor September verliefen beide Kurse parallel. Seit Anfang September bewegen sie sich jedoch in entgegengesetzte Richtungen.
Es gilt mittlerweile als offenes Geheimnis, dass das US-Finanzministerium versucht, die Ölpreise mit allen Mitteln zu drücken. Wie genau das geschieht, ist nicht im Detail bekannt; ein wesentlicher Teil scheint jedoch darin zu bestehen, optimistische Berichte über den Ölmarkt gezielt an die Presse zu spielen. Hintergrund dieser Maßnahmen ist der Versuch, die Zinsen für US-Staatsanleihen niedrig zu halten, damit die Finanzierungskosten für den hoch verschuldeten Staatsapparat nicht unkontrolliert weiter steigen.

Zuletzt gab es am Anleihenmarkt erneut auffällige Bewegungen. Nachdem die Inflationsdaten am Mittwoch höher als erwartet ausfielen, kletterte der Zinssatz für zehnjährige US-Anleihen rasch von 5,2 % auf 5,3 %. Kurz darauf fiel er jedoch ohne erkennbaren Grund wieder unter den Stand vor Veröffentlichung der Daten zurück. Dass sich die Zinsen für Anleihen und der Ölpreis nun voneinander abkoppeln, deutet darauf hin, dass die Einflussmöglichkeiten des US-Finanzministeriums auf die wirtschaftliche Realität deutlich abnehmen.
Erste Umfragedaten spiegeln den Teuerungsschub bereits wider. Daten des Analysedienstes Bloomberg zeigen, dass die Preise für Grundnahrungsmittel weltweit stark zulegen. Von Ende 2025 bis Anfang Oktober 2026 stieg Weizen um rund 35 bis 38 % und Zucker um 39 bis 43 %. Sojabohnen verteuerten sich um 21 bis 23 %, während Mais um etwa 13 bis 15 % anzog. Diese deutlichen Preiserhöhungen gehen vor allem auf Düngemittelknappheit zurück, da Dünger nicht mehr durch die gesperrte Straße von Hormus transportiert werden kann.
Weitere Daten zeigen, dass diese Teuerung die Gesamtwirtschaft erfasst. In den USA stiegen die Messwerte für Einkaufspreise im September spürbar an: in der Industrie um 6,8 Punkte auf 77,9 und im Dienstleistungsbereich um 1,4 Punkte auf 74,0. Auf diese Kennzahlen achten Notenbanken weltweit, wenn sie über künftige Zinsschritte beraten.
Möglicherweise steuert die Wirtschaft auf eine sogenannte Stagflation zu – eine Phase, in der steigende Preise mit einem wirtschaftlichen Abschwung oder Stillstand zusammentreffen. In gewöhnlichen Wirtschaftskrisen sinkt die Inflationsrate meist. Die Menschen verdienen dann zwar oft weniger Geld, müssen sich aber zumindest keine Sorgen über stark steigende Preise machen. Bei einer Stagflation geschieht beides gleichzeitig: Die Einkommen sinken, während die Preise weiter steigen. Das belastet die Haushalte spürbar.
Aus diesem Grund setzen wir in unseren Portfolios derzeit auf Unternehmen wie The Kroger Co und Dollar General, die von einer solchen Entwicklung profitieren können. Dabei handelt es sich um preisbewusste Supermärkte und Discounter, zu denen Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wechseln, wenn gewohnte Einkaufsmöglichkeiten zu teuer geworden sind. Ergänzend enthält das Portfolio Energieaktien und Edelmetalle, um den Portfoliowert auch in schwierigen Zeiten abzusichern.
Zum Autor

Philip Pilkington ist Ökonom und Anlagestratege. Er ist Autor von The Reformation in Economics und The Collapse of Global Liberalism sowie Mitautor des demnächst erscheinenden Buches Bust: The Economics of Demographic Decline.
Herr Pilkington hat für eine Vielzahl renommierter Medien über Finanz- und Wirtschaftsthemen Themen geschrieben, darunter The Daily Telegraph, The Spectator, die New York Post und viele weitere.
Er ist als Chief Strategist für die Max Otte Fonds tätig.
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