Kursstürze bei KI-Verlierern und Software: der Zyklus der Emotionen
Sehr geehrte Anleger,
seit einigen Monaten bauen wir als Value-Investoren Positionen bei KI-Verlierern und Softwareunternehmern auf. Während alles, was auch nur im entferntesten KI im Namen hat, steigt und steigt, fallen diese Unternehmen massiv.
In unseren Portfolios haben wir Adobe, Teleperformance und andere KI-Verlierer. Wir haben mit den Positionen angefangen, als diese Unternehmen schon teilweise um 60 bis 70 % gefallen waren. Seitdem ging der Kursverlust weiter.
Diese Woche am 30. Juni gab es einen regelrechten Ausverkauf bei KI-Verlierern. Teleperformance stürzte an diesem Tag um ca. 12 % von 52 auf knapp 46,00 EUR ab. Einen Tag später erholte sich der Titel genauso schnell wieder, stieg um mehr als 10 % und steht nun bei 51,38 EUR.
Eine derart hohe Volatilität nach einer lagen Talfahrt – Teleperformance ist seit Anfang 2022 von 402 EUR um 85 % gefallen – deutet darauf hin, dass der Ausverkauf vorbei sein könnte. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist massiv gesunken und zittriges, spekulatives Geld strömt hinein und heraus, immer auf der Suche nach einem schnellen Gewinn.
Grund für die starke Kursreaktion diese Woche waren schwache Ergebnisse und ein gesenkter Ausblick des US-Konkurrenten Concentrix. Das Unternehmen ist dicht hinter Teleperformance die globale Nr. 2 im Customer-Experience- und BPO-Bereich.
Concentrix verfehlte die Erwartungen nur leicht. Die Prognosen für das dritte Quartal und das Gesamtjahr 2026 wurden nur unwesentlich gesenkt. Das Unternehmen erwartet nun einen Jahresumsatz zwischen 9,93 und 10,03 Mrd. USD nach zuvor 10,04 bis 10,18 Mrd. USD. Die Spanne für den bereinigten Gewinn je Aktie wurde von 11,48 bis 12,07 USD auf jetzt 10,83 bis 11,18 USD angepasst.
Wenn Sie sich aber die Kursreaktionen bei Concentrix und Teleperformance anschauen, dann sieht es so aus, als ob diese Unternehmen morgen untergehen würden. Die Concentrix-Aktie brach am Montag bereits vorbörslich um ca. 24 % ein. Teleperformance wurde, weil in derselben Branche tätig, stark mit nach unten gezogen.
Ja, die Kunden der Call-Center-Dienstleister stehen unter finanziellem Druck, kürzen Ausgaben für Customer-Experience-Dienstleistungen oder ziehen Support-Verträge sogar ganz zurück. Zudem stehen Callcenter- und Outsourcing-Unternehmen seit Monaten durch die wachsende Angst vor KI-Automatisierung unter Druck. Hedgefonds wetten explizit gegen solche Titel.
Teleperformance hatte Ende April 2026 einen leichten Umsatzrückgang für das erste Quartal gemeldet (–2,2 %), aber die Jahresprognose für 2026 mit 0 bis 2 % Wachstum, einer stabilen EBITA-Marge von ca. 14,6 % und einem Free Cashflow in der Spanne 800 bis 850 Mio. EUR bestätigt. Der Kurssturz Anfang der Woche war also nur auf die Zahlen des Konkurrenten zurückzuführen. Nach jetzigem Stand hat Teleperformance deutlich höhere Margen und Rendite-Kennzahlen als Concentrix und damit auch deutlich mehr Ertragsreserve. Wenn sich der Markt konsolidiert und Wettbewerber ausscheiden, wird Teleperformance aller Voraussicht nach überleben und Marktanteile (in einem schrumpfenden Markt) gewinnen.

Bei der KI-Transformation kommt das Unternehmen auch voran. Über 550 KI-Projekte sind bereits für Kunden im Live-Betrieb und allein im ersten Quartal wurden 50 neue KI-Verträge abgeschlossen. Der neue CEO Jorge Amar gilt als ausgewiesener KI-Experte. Nach seinem Amtsantritt hat er umgehend weitere Schlüsselpersonen im KI-Bereich zu Teleperformance an Bord geholt.
Insgesamt ist die jetzige Phase zwar unangenehm, aber bei den Preisen gefallen mir unsere Softwareinvestments sehr gut:

Die Bewertung unserer Software-Unternehmen ist niedrig. Evolution reinvestiert seinen Cashflow, Constellation Software ist die Berkshire Hathaway des Software-Sektors. Bei Constellation ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis ausschlaggebend. Wir setzen auf den Sektor.
Das an der Böse verdiente Geld ist Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Im Moment ist alles noch im KI-Hype. Die Bewertungen der KI-Unternehmen sind sehr hoch, die bei klassischen Softwareunternehmen hingegen niedrig.
Ein weiteres Indiz: Die Analysten von RBC Capital Markets bezeichneten den Sub-Sektor nach den Concentrix-Zahlen als „uninvestierbar“ und erwarten weiteren Druck auf Teleperformance. Das ist für uns sehr ermutigend, denn die sogenannten Analysten greifen meistens die Marktstimmung auf, verstärken sie und liegen damit in der Regel falsch.
Wir bleiben Value Investoren.
Auf gute Investments!
Ihr

Prof. Dr. Max Otte
Gründer & Chief Investment Officer
Privatinvestor Kapitalanlage
Dieser Text ist ein Auszug aus der Kolumne von Prof. Dr. Max Otte, die im Kapitalanlagebrief „Der Privatinvestor“ 26/2026 vom 03.07.2026 erschienen ist.
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