
Krisenportfolio: Unsere Aktien gegen Inflation und Rezession
Für kurzfristig orientierte Portfoliomanager ist es ein reiner Albtraum, was derzeit in der Welt vor sich geht. Niemand kann derzeit sicher sagen, was als Nächstes kommt.
Als Value-Investoren müssen wir uns darum weniger Sorgen machen. Wir ignorieren den Marktzyklus weitgehend und kaufen Aktien solider Unternehmen.
Aber auch ein Value-Portfolio kann durch starke Veränderungen des Investmentumfelds in Mitleidenschaft geraten. Um dieses Risiko abzufedern, investieren wir gezielt in eine Kategorie von Aktien, die sich sowohl unter dem Druck hoher Inflation als auch in einer Rezession gut entwickelt. Zudem muss es sich um solide Unternehmen handeln, die aktuell günstig bewertet sind. Solche Aktien zu finden ist anspruchsvoll, aber nicht unmöglich.
Wir gehen dafür zunächst von den Grundprinzipien unserer Investmentphilosophie aus. Zum Beispiel fragen wir uns, welche Auswirkungen wirtschaftliche Turbulenzen auf das Konsumverhalten haben:
- Inflation schmälert die Fähigkeit der Menschen, Geld für Konsum auszugeben. Mit steigenden Preisen müssen Verbraucher den Gürtel enger schnallen, um im Rahmen ihrer Budgets zu bleiben.
- Eine Rezession führt hingegen zu Entlassungen und schwächerem Lohnwachstum. Damit trägt auch sie dazu bei, dass Verbraucher sparsamer werden.
- In beiden Fällen schneiden diejenigen Unternehmen gut ab, welche den Verbrauchern Güter des täglichen Bedarfs – also alles, worauf man im Alltag nicht verzichten kann – günstiger anbieten als die Konkurrenz. In einer Krise wenden sich Verbraucher nämlich preiswerten Alternativen zu, um mit einem knapperen Budget ihre Bedürfnisse zu decken. Davon profitieren besonders Anbieter im mittleren Preissegment, zu denen die bisherige Kundschaft aus dem Hochpreis-Segment wechselt.
Wir konzentrieren uns auf das ultimative Konsumgut des täglichen Bedarfs: Lebensmittel. In einer Krise wechseln insbesondere Verbraucher, die bisher bei hochpreisigen Supermärkten eingekauft haben, zu Anbietern im mittleren Preissegment. Wir beobachten mehrere solcher Unternehmen. Unser aktueller Favorit ist The Kroger Co.
The Kroger Co. ist einer der größten Lebensmitteleinzelhändler der USA. Kroger betreibt rund 2.700 Supermärkte und Warenhäuser in 35 Bundesstaaten. Zum Konzern gehören Handelsmarken wie Kroger, Ralphs und Fred Meyer. Das Unternehmen betreibt zudem Apotheken und Tankstellen, produziert Lebensmittel unter Eigenmarken und bietet Abhol- sowie Lieferdienste an. Es handelt sich um einen Lebensmittelhändler im mittleren Preissegment. Finanziell angeschlagene Verbraucher finden bei Kroger eine preiswerte Alternative zu Premiumanbietern wie Whole Foods. Die folgende Grafik zeigt die Kursentwicklung der Aktie im Zuge des Inflationsanstiegs zwischen März 2021 und Juni 2022. Wie zu erkennen ist, erzielte die Aktie eine Rendite von 64,8 %. Dies schlägt die 5,9 % beim S&P 500 und 14,2 % beim MSCI World Index im selben Zeitraum deutlich. Bemerkenswert ist der starke Kursanstieg im März 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine: Kroger ist ein Unternehmen, das von Krisen profitiert.

In dieser Kursentwicklung spiegelt sich nicht nur die Marktpsychologie wider, sondern auch die Fundamentaldaten des Unternehmens. Die folgende Grafik zeigt Krogers Gewinnüberraschung (EPS Surprise) im Vergleich zur Gewinnüberraschung des gesamten S&P 500. Die Kennzahl EPS Surprise misst den tatsächlich ausgewiesenen Gewinn je Aktie (Earnings per Share) eines Unternehmens im Vergleich zu den Analystenprognosen für das Gewinnwachstum je Aktie. Eine positive Gewinnüberraschung bedeutet also, dass das Unternehmen die Erwartungen in diesem Zeitraum übertroffen hat; ein negativer Wert signalisiert das Gegenteil. Wie zu erkennen ist, verzeichnete Kroger in diesem Zeitraum durchgehend hohe positive Gewinnüberraschungen. In fast jedem Quartal der vorangegangenen Inflationskrise meldete Kroger Gewinne, die die Analystenerwartungen deutlich übertrafen. Das ist der Grund, warum der Preis der Aktie so stark gestiegen ist. Getragen wurden diese hohen Gewinne von Kunden, die von teureren Marken wie Whole Foods zu Kroger-Filialen wechselten, um Geld zu sparen.

Im Max Otte Multiple Opportunity Fund (MOMO) halten wir derzeit knapp 10 % des Portfolios in Aktien wie Kroger, die für uns allein schon wegen ihrer fundamentalen Qualitäten gut in ein Value-Portfolio passen. Zudem schützen sie das Portfolio vor makroökonomischen Turbulenzen. Wir sehen in Aktien wie Kroger also Value-Investments, die als Bonus eine kostenlose „Versicherung“ beinhalten – und diese nehmen wir gerne mit.
Zum Autor

Philip Pilkington ist Ökonom und Anlagestratege. Er ist Autor von The Reformation in Economics und The Collapse of Global Liberalism sowie Mitautor des demnächst erscheinenden Buches Bust: The Economics of Demographic Decline.
Herr Pilkington hat für eine Vielzahl renommierter Medien über Finanz- und Wirtschaftsthemen Themen geschrieben, darunter The Daily Telegraph, The Spectator, die New York Post und viele weitere.
Er ist als Chief Strategist für die Max Otte Fonds tätig.
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