
US-Staatsanleihen: Der Beginn einer Krise
Die Renditen von US-Staatsanleihen geraten zunehmend außer Kontrolle. Die Rendite 30-jähriger Anleihen liegt inzwischen bei knapp über 5,25 % – deutlich höher als die rund 4,8 %, die noch beim Amtsantritt von Trump galten. Wie die Grafik zeigt, nähern sich die Renditen langlaufender Anleihen wieder den Höchstständen des Juni 2007 – also kurz bevor die Immobilienblase platzte und die globale Finanzkrise von 2008 auslöste.

Das US-Finanzministerium wirkt angesichts der steigenden Zinsen zunehmend verzweifelt. Denn diese machen es für die US-Regierung schwieriger, sich weiter zu verschulden. Die Eingriffe am Anleihenmarkt begannen Mitte August, als US-Finanzminister Scott Bessent einen Rückkauf von Staatsanleihen im Volumen von 2 Milliarden Dollar ankündigte – und wenige Tage später verkündete, diesen Betrag verdoppeln zu wollen. Doch die Anleger ignorierten diesen Vorstoß einfach. Die Renditen kletterten weiter und legten nach der Wahl um zwei Basispunkte zu. Anfang dieser Woche (Stand 10. September 2026) kündigte Bessent einen weiteren Rückkauf in Höhe von 6 Milliarden Dollar an. Diesmal reagierten die Investoren nicht nur gleichgültig, sondern stießen ihre US-Anleihen ab. Die Renditen stiegen daraufhin weiter. Wenn sich nichts ändert, könnte das US-Finanzministerium die Kontrolle über die Zinsen auf US-Staatsschulden verlieren.
Parallel dazu stieg der Ölpreis wieder über die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Wie die Grafik zeigt, ist das zwar noch nicht ganz so hoch wie die 115 Dollar, die Öl-Futures im Mai erreichten. Aber es liegt weit über dem Tiefstand von 72 Dollar Anfang Juli:

Während die Krise in der Straße von Hormus die globale Energieversorgung belastet, hat Trump alle verfügbaren Mittel ausgeschöpft, um die Ölpreise niedrig zu halten. Einige dieser Maßnahmen sind öffentlich bekannt, etwa die wöchentliche Freigabe von Millionen Barrel Öl aus der staatlichen Erdölreserve. Andere laufen im Verborgenen ab – viele vermuten, dass die Regierung Hedgefonds gezielt Signale gibt, um auf fallende Preise zu wetten. Den größten Teil des Sommers über schien die US-Regierung die Oberhand zu behalten und konnte die Preise für Öl-Futures drücken – obgleich die Preise für Raffinerieprodukte wie Benzin, Diesel und Kerosin weiter stiegen.
Inzwischen sieht es jedoch so aus, als hätte die Trump-Regierung auch die Kontrolle über den Ölpreis verloren. Frühere Eingriffe deuteten darauf hin, dass das Finanzministerium einen Ölpreis zwischen 75 und 90 Dollar anstrebte. Als der Ölpreis in der ersten Septemberwoche die 90-Dollar-Marke durchbrach, gab ein sichtlich ratloser Scott Bessent eine Pressekonferenz, in der er zugab, nicht zu verstehen, warum die Ölpreise weiter steigen. Die Trump-Regierung hat also nicht nur die Kontrolle über den Ölpreis verloren, sondern gleichzeitig auch über die Zinsen auf US-Staatsschulden.
All das braut sich zu einer handfesten Krise zusammen. Steigende Ölpreise werden schon bald auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Inflation anheizen. Eine steigende Inflation wiederum treibt die Zinsen auf US-Staatsschulden weiter nach oben. Gleichzeitig signalisiert die US-Notenbank Federal Reserve, dass sie die Leitzinsen anheben will. Irgendwann werden Inflation und steigende Zinsen auch der Realwirtschaft zu schaffen machen. Amerikanische KI-Aktien befinden sich vermutlich bereits in einer Blase. Im Sommer 2026 weist der technologielastige NASDAQ ein zyklisch bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 60 auf – rund 33 % höher als noch Ende 2023. Investitionen in Rechenzentren und Halbleiterfertigung machen derzeit rund 70 % des realen Investitionswachstums der US-Wirtschaft aus. Platzt diese KI-Blase, könnte das eine Rezession auslösen.
Der Max Otte Multiple Opportunity Fund (MOMO) ist für dieses Umfeld gut aufgestellt. Der Fonds ist aktuell in Energie- und Raffinerie-Aktien übergewichtet. Da die US-Regierung zunehmend die Kontrolle über die Ölpreise verliert, erwarten wir, dass diese Aktien im Wert steigen. Auch bei Edelmetallen ist MOMO übergewichtet. Da das Finanzministerium zunehmend die Kontrolle über die Zinsen verliert, flüchten nervöse Anleger derzeit verstärkt in Edelmetalle, deren Preise entsprechend steigen. Seit Anfang August ist der Goldpreis um rund 10 % gestiegen, Silber sogar um etwa 17,5 %. Zudem hat das Portfolio Barreserven aufgebaut, die eingesetzt werden können, sollten die Marktbewertungen zurückgehen. Die übrigen Aktien im Portfolio wurden bewusst nach dem Kriterium günstiger Bewertungen ausgewählt. Das bedeutet: Sollte es zu Marktturbulenzen kommen, dürften diese Titel vorübergehend deutlich weniger stark an Wert verlieren als der Gesamtmarkt. Damit ist die Aktienkomponente des Portfolios gut positioniert, um von möglichen künftigen Kursrückgängen zu profitieren.
Zum Autor

Philip Pilkington ist Ökonom und Anlagestratege. Er ist Autor von The Reformation in Economics und The Collapse of Global Liberalism sowie Mitautor des demnächst erscheinenden Buches Bust: The Economics of Demographic Decline.
Herr Pilkington hat für eine Vielzahl renommierter Medien über Finanz- und Wirtschaftsthemen Themen geschrieben, darunter The Daily Telegraph, The Spectator, die New York Post und viele weitere.
Er ist als Chief Strategist für die Max Otte Fonds tätig.
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