„Aktien sind für mich die wichtigste Anlageklasse“ – Interview mit Prof. Dr. Max Otte

Prof. Dr. Max Otte sprach mit dem Publizisten Roland Tichy darüber, was Privatinvestoren 2023 bei der Vermögenssicherung beachten müssen. Neben dem Hauptthema Aktien ging es dabei unter anderem um Inflation, Bitcoin, Edelmetalle und ETF. Die einzelnen Fragen und Antworten sind jeweils als Kurzinterviews im Format TE Wecker auf dem YouTube-Kanal von Tichys Einblick erschienen. Hier können Sie das ganze Interview nachlesen:

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Sind Aktien für Privatinvestoren heute noch eine sinnvolle Form der Vermögenssicherung – bei solchen Ausschlägen, wie wir sie im vergangenen Jahr erlebt haben?

Aktien sind für mich die wichtigste Anlageklasse, um Vermögen zu sichern und zu vermehren. Aktien von Unternehmen sind Sachvermögen. Die Kurse schwanken zwar immer wieder. Aber Unternehmen wie Nestlé oder Coca-Cola überstehen Krisen, wie gerade die Inflation, und schütten Dividenden aus. Wer in Aktien investiert, muss natürlich mit den Kursschwankungen leben können. Deswegen ist Streuung in weitere Anlageklassen angesagt. Aber auch dann sind Aktien die wichtigste Säule.

Welche Bestandteile hat eine gute Vermögensanlage?

Aktien sehe ich beim Vermögenserhalt und Vermögensaufbau grundsätzlich an erster Stelle. Die meisten Deutschen bevorzugen allerdings die Immobilie. Die gehört für mich selbstverständlich auch dazu. Der dritte Bestandteil sind Edelmetalle für die Sicherheit. Es kommt auf die Mischung an. Welche Anlageklasse dabei in welchem Verhältnis steht, hängt vor allem von der Anlegerpsychologie und dem Alter ab.

Gold oder Silber sind sehr beliebte Anlagen. Aber sie bringen keine Zinsen oder Ausschüttungen. Lohnt sich die Anlage in Edelmetalle also überhaupt?

Gold und andere Edelmetalle gehören für mich sogar unbedingt zur Vermögensanlage. Das ist Ihre Sicherheit, Ihr Notgroschen. Ja, man bekommt keine Zinsen auf Edelmetalle. Aber sie sind immer noch die sicherste Geldaufbewahrung, die es gibt. Für die Vermögensvermehrung sind Gold und Silber weniger geeignet. Aber Sie kommen damit in vielen Krisensituationen besser über die Runden. Ein gewisser Anteil an Edelmetallen sollte Teil jeder Anlagestrategie sein. Idealerweise bewahren Sie die Edelmetalle im eigenen Safe auf oder übergeben Sie einer sicheren Verwahrstelle, auf die Sie jederzeit Zugriff haben.

Wie kauft man Aktien? Gerade für Privatinvestoren ist es nicht leicht einzuschätzen, welche Titel man auswählt.

Aktien können Sie auf dreierlei Weise erwerben. Zunächst einmal als Einzeltitel. Andererseits als gemanagten Fonds, das heißt, ein Fondsmanager kümmert sich um die Aktienauswahl. Und drittens als passiven Fonds, mit dem Sie ganze Indizes beziehungsweise Märkte kaufen. Zum Beispiel investiert ein Indexfonds auf den DAX in die 40 von ihrem Börsenwert her größten deutschen Unternehmen. Was davon für Sie richtig ist – oder ob vielleicht eine Mischung dieser drei Strategien am besten ist –, das hängt tatsächlich von Ihrem Wissen und von Ihrem Temperament ab. Ich plädiere seit jeher für das direkte Investment in Aktien, also für das souveräne Investieren. Wenn Sie Aktien direkt kaufen möchten, geht dies über einen Online-Broker schnell und kostengünstig.

ETF, Index Investing und passive Fonds sind aktuell die „Zauberwörter“ der Finanzszene. Was ist darunter zu verstehen?

Als Index Investing oder auch passive Fonds werden Fonds und Zertifikate bezeichnet, die ganze Indizes abbilden. Wie gerade erläutert: Sie kaufen damit zum Beispiel den ganzen DAX, den ganzen MSCI World oder den ganzen Euro STOXX ein – also eine Art Korb, in dem alle Einzeltitel des Index enthalten sind. Das ist grundsätzlich eine gute Idee. Passive Fonds sind vergleichsweise kostengünstig. Als Anleger partizipieren Sie an der Entwicklung des Gesamtmarktes und müssen keine Einzeltitel aussuchen. Allerdings sind Indexfonds nicht die Patentlösung, von der die Finanzbranche derzeit spricht. Ich werde immer etwas misstrauisch, wenn bestimmte Anlageprodukte gehypt werden. Wie bei aktiven Fonds müssen Sie sehr genau das Kleingedruckte lesen. Sie müssen sich mit dem jeweiligen Index genau beschäftigen, so wie es Sie bei Einzeltiteln machen. Wenig erfolgversprechend ist es, irgendeinen ETF, also börsengehandelten Fonds, zu kaufen. Das Kleingedruckte und der Inhalt sind wie immer entscheidend.

Wie lange wird die Inflation noch anhalten? Im Augenblick liegt sie bei fast 9%. Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten 12 Monaten?

Wir sehen hier die sogenannte Ketchup-Inflation, von der ich und viele andere schon lange gewarnt haben. Es hat länger gedauert als gedacht, aber im letzten Jahr kam die Inflation aufgrund verschiedener Auslöser tatsächlich in der breiten Masse an. Eben wie bei einer Ketchup-Flasche, aus der sich nach langem vergeblichem Schütteln der Inhalt auf einmal doch ergießt. Und natürlich haben wir in unserem westlichen Wirtschaftssystem massive Geld- und Kaufkraftüberhänge. Das heißt, dass wir grundsätzlich über die kommenden Jahre hinweg weiterhin Inflation haben werden. In welcher Höhe, ist jetzt noch nicht abzusehen. Auch in den Siebzigerjahren war die Inflation hoch, es ging auf und ab, wie bei einem Fieber. Die Inflationskurve ist so gesehen die Fieberkurve der Wirtschaft. Aus meiner Sicht ist fest damit zu rechnen, dass wir die nächsten drei, fünf oder sechs Jahre noch eine signifikante Inflation haben werden. Das Geld auf dem Bankkonto wird damit sicherlich sehr viel weniger wert sein.

Können Sie uns drei Trends nennen, die aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren den Aktienmarkt beeinflussen werden?

Wir befinden uns im sogenannten Weltsystemcrash. Diesen besonderen Crash habe ich vor drei Jahren in meinem gleichnamigen Buch vorhergesagt. Das bedeutet Fake News, Verwirrung und Krieg. Nicht zuletzt auch De-Globalisierung, von der ich seit mittlerweile 17 Jahren spreche. Wenn Sie in Aktien investieren, sollten Sie in die sichersten Aktien gehen. Das heißt vor allem – oder sogar ausschließlich – in Aktien im westlichen Einflussbereich. Wir wissen nicht, wie sich die Welt politisch entwickeln wird. Mit den Sanktionen gegen Russland haben wir bereits eine erste Abkopplung erlebt. Das kann auch mit China passieren. Sichere Aktien finden Sie in den Branchen Energie, Technologie und Nahrungsmittel. Diese werden wahrscheinlich auch in 10 Jahren sehr gut dastehen – vor allem im westlichen Einflussbereich.

Zu Beginn des Jahres gab es Massenentlassungen bei großen Technologiekonzernen wie Google, Amazon und Apple. Die Kurssteigerung für die Technologiewerte war weltweit vorbei. Und die Pleite der Silicon Valley Bank erschüttert die Finanzwelt. Ist das eine neue Normalität?

Technologie ist für uns nach wie vor eine wichtige Säule des Portfolios. Ja, es gab jetzt Entlassungen. Aber die Branche hat zuvor auch massiv Personal aufgebaut. Amazon beispielsweise hat seine Belegschaft in den letzten Jahren verdreifacht. In absoluten Zahlen sind die Entlassungen natürlich enorm. Relativ gesehen sprechen wir aber von fünf oder sechs Prozent. Das ist überschaubar. Die Tech-Konzerne schließen jetzt vor allem die bisher unrentablen Wachstumsbereiche und beenden vielleicht auch Experimente, die sich als Luftschlösser erwiesen haben. Aus vielen Bereichen ist Digitaltechnologie aber gar nicht mehr wegzudenken. Sie wird immer wichtiger. Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet bestimmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen unser Geschäfts- und Privatleben. Das Wachstum wird weitergehen, wenn auch etwas schwächer als in der Vergangenheit. Es gibt allerdings auch Technologiewerte, bei denen scheint es vorbei zu sein, die haben die Weichen falsch gestellt. Ich denke beispielsweise an Netflix und Meta. Sie müssen in Zukunft etwas genauer analysieren, welche Technologiewerte auch in 10 Jahren noch sehr gute Renditen abwerfen.

Was halten Sie von Bitcoin oder anderen Kryptowährungen? Sind sie als Anlageobjekt zu riskant oder die große Chance?

Ich war diesbezüglich immer schon sehr skeptisch. Zum Thema Bitcoin finden Sie von mir schon vor fünf oder sechs Jahren längere Statements oder auch Vorträge im Netz. Bitcoin ist für mich keine Währung, sondern eine Ware. Zwischenzeitlich ist die Zahl der sogenannten Kryptowährungen auf 3.000 gewachsen. Es ist sehr spekulativ, ob diese Technologie sich durchsetzen wird. Ich glaube es zwar schon. Aber die Notenbanken arbeiten bereits an eigenen digitalen Währungen. Das geht dann leider in Richtung Kontrollstaat, was einer meiner wichtigsten Kritikpunkte ist. In China wie auch im Westen sehen wir bereits Initiativen von staatlicher Seite, diese Währungen zu verdrängen beziehungsweise eigene Kryptowährungen über die Zentralbanken einzuführen. Der unregulierte Markt verschwindet allmählich. Jetzt kommen auch erste Pleiten. Viele der aktuellen Kryptowährungen werden wohl untergehen. Ich bin daher sehr vorsichtig. Wenn Sie etwas zocken wollen, dann können Sie bei Bitcoin einsteigen. Aber wir sind in diesem Bereich prinzipiell nicht investiert.

Staatsverschuldung, Deindustrialisierung, ungelöste Energiekrise. Ist es sinnvoll, weiter in deutsche Aktien zu investieren?

Es ist eine Tragödie, was mit unserem Land passiert. Und es sind längst nicht nur China oder Russland, die uns bedrohen. Unsere Regierung hat keine Wirtschaftsstrategie, die diesen Namen verdienen würde. Weder national noch international. DAX-Konzerne sind sehr stark gefährdet. Die von mir gemanagten Fonds sind deshalb kaum in DAX-Konzernen investiert. Was wir gelegentlich noch als interessant und investitionswürdig ausmachen, sind gute deutsche Mittelständler. Solche Unternehmen halten sich vom politischen Spielfeld fern, sie fliegen unter dem Radar. Sobald ein deutsches Unternehmen eine weltweit bedeutende Stellung erlangt, kommt die Konkurrenz aus dem Ausland. Diese wird häufig staatlich unterstützt – sowohl mit lauteren als auch unlauteren Methoden. Wenn wir also in deutsche Unternehmen investieren, dann eher selektiv in gute Mittelständler.

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