Value Investing: Ein niedriger Kurs allein bedeutet noch keine günstige Bewertung

Die Investorenlogiken des 1., 2. und 3. Grades haben wir bereits in einem Artikel beleuchtet. Knapp zusammengefasst: Statt Investmententscheidungen nur am aktuellen Kurs festzumachen, sollten Sie sich am fairen Wert einer Aktie orientieren. Eine gute Einstiegschance ergibt sich dann, wenn der aktuelle Kurs unter dem fairen Wert liegt. Darin besteht der Ansatz des Value Investing, dem wir, wie regelmäßig erwähnt, folgen.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen einen weiteren fatalen Denkfehler auf. Denn die Prinzipien des Value Investing werden von vielen Privatanlegern durchaus beherzigt, aber falsch interpretiert. Und zwar dahingehend, dass es vor allem darum ginge, Aktien „billig“ – also zu einem niedrigen Kurs – zu kaufen.

Erfahren Sie im Folgenden, welche Auswirkungen dieser Investmentfehler haben kann und wie Sie sich vor ihm schützen.

Investorenlogik 1. Grades – nur umgekehrt: Eine häufige Fehlinterpretation der Value-Investing-Prinzipien

Insbesondere die Investorenlogik des 1. Grades beschert Privatinvestoren hohe Verluste.  

Sie lässt sich wie folgt zusammenfassen:

„Kurs steigt = Aktie gut“

„Kurs fällt = Aktie schlecht“

Wenn Sie nach dieser Logik mit Aktien handeln, kaufen Sie fast immer zu teuer ein – und meist verkaufen Sie auch zu billig. Das typische Vorgehen sehen Sie im folgenden Chart:

Nicht wenige Investoren, die eine solche Erfahrung gemacht haben, kehren der Börse für immer den Rücken …

Andere Anleger haben dagegen eine wichtige Regel verstanden: Um an der Börse Erfolg zu haben, muss man es umgekehrt machen. Also Aktien günstig einkaufen und teuer verkaufen. Der Abstand zwischen dem Einstiegskurs und dem Verkaufskurs ist an der Börse Ihr Gewinn.

Einige dieser Privatanleger bleiben aber trotzdem in der Investorenlogik 1. Grades stecken. Sie stoßen nicht zur Investorenlogik 2. und 3. Grades vor. Vielmehr kehren sie die Logik 1. Grades einfach um:

„Kurs fällt = Aktie gut (da billig)“

„Kurs steigt = Aktie schlecht (da teuer)“

Dieser Investmentfehler kann Ihnen hohe Verluste bescheren, weil dabei die Unternehmensqualität außer acht gelassen wird. Bei einem Unternehmen, dessen Kurs aufgrund schlechter Fundamentalwerte fällt, greifen Sie sprichwörtlich „ins fallende Messer“ (André Kostolany). Ein schlechtes Unternehmen mag nach einem Kurssturz „billiger“ als zuvor zu erwerben sein – ist damit aber noch lange nicht günstig. Denn es ist davon auszugehen, dass der Kurs lange seitwärts läuft oder sogar noch weiter fallen wird.

Ein Beispiel dafür ist der US-Telekommunikationskonzern AT&T. Zu Beginn der 2000er Jahre war AT&T noch eine Top-20-Position des S&P500 – also eines der 20 US-Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung. Im Zuge des New Economy Crash hat 2001 ist der Kurs stark gefallen. Seither gab es zwar immer wieder Kursanstiege. Aber diese blieben nicht mehr als vorübergehende Hoffnungsschimmer. Erst kürzlich erreichte AT&T den niedrigsten Kurs seit dem Jahr 1994, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt aktuell bei 7.

Wenn Sie in den letzten 20 Jahren bei Kursverlusten immer wieder „billig“ nachgekauft hätten, würden Sie aktuell mit Ihrer Position immer noch im Minus stehen. (Mittlerweile spendet auch die Dividende keinen Trost mehr, sie wurde im vergangenen Jahr nahezu halbiert.) Für langfristig orientierte Investoren ist eine solche Kursentwicklung naturgemäß nicht attraktiv. AT&T fehlt es schlichtweg an fundamentaler Qualität, um langfristig gut zu performen.

Ganz anders sieht es bei „teuren“ Aktien wie dem Software-Unternehmen Atoss aus, die trotz einer hohen Bewertung von Kurshoch zu Kurshoch eilen. Obwohl sie in der Vergangenheit bereits stark gestiegen sind, haben sie immer noch Potenzial nach oben. Es gibt zwar vorübergehende Schwächen. Doch der Trend ist insgesamt positiv.

Folgend zeigen wir Ihnen, was den Unterschied ausmacht.

Vermeiden Sie den Griff ins fallende Messer – erkennen Sie den fairen Wert

Value Investing zielt darauf ab, günstig bewertete Aktien am Markt zu finden. Wir steigen dann ein, wenn die Kurse unter dem fairen Wert liegen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass der Markt den Kurs im Lauf der Zeit in Richtung des fairen Werts hebt. Tritt dies ein, erzielen Value-Investoren ihren Gewinn.

Um gute Einstiegschancen zu finden, müssen Sie zur Investorenlogik 2., dann 3. Grades wechseln. Zunächst stellen Sie sich die Frage: „Warum steigt oder fällt der Kurs der Aktie?“, und stellen entsprechende Nachforschungen über das Unternehmen an: Umsatz- und Gewinnentwicklung, Nettoliquidität, Cashflow und so weiter.

Die Investorenlogik 3. Grades schließlich fragt: „Warum sind die Kennzahlen des Unternehmens so, wie sie sind?“ Dabei setzen Sie die Zahlen in den unternehmerischen Kontext. Sie bewerten das Geschäftsmodell, die Markchancen, die Qualifizierung des Managements, das Kapitalmanagement und weitere Aspekte. Zur Investorenlogik 3. Grades gehört außerdem die folgende Grundregel:

Die bisherige Kursentwicklung ist kein Indikator dafür, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist. Sie können dies nur herausfinden, indem Sie den fairen Wert berechnen und diesen in Relation zum aktuellen Kurs setzen.

Dieser Investmentansatz liegt auch unserer Königsanalyse® zugrunde. Wir berechnen für unsere vorhandenen Positionen wie auch für unsere Ideen für Neuaufnahmen laufend den fairen Wert. Wir steigen ein bei günstig bewerteten Aktien, das heißt bei Aktien, deren Kurs noch mit einigem Abstand unter dem fairen Wert liegt – und verkaufen Positionen, deren Kurs zu weit über dem fairen Wert liegt.

Um mehr über unsere Anlagestrategie zu erfahren, vereinbaren Sie heute noch Ihr Informationsgespräch mit Herrn Philipp Schäferhoff:  

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