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Zu viel Bargeld ist keine gute Idee

Allgemein

Überbrückungshilfen, Kurzarbeitergeld, Härtefall-Programme, Grundsicherung: Die Deutschen und die Unternehmen, in denen sie beschäftigt sind, bekamen seit dem Ausbruch von Corona staatliche Hilfen wie noch nie. Der staatliche Stimulus in der Pandemie hat in Deutschland ein Gesamtvolumen im Umfang von 35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreicht (siehe GRAFIK), mehr als in den meisten anderen Industrieländern.

Doch viel von ihrem Einkommen und diesen Hilfen konnten die Deutschen nicht ausgeben, denn im Verlauf der Pandemie schlossen immer wieder Restaurants, Reisen wurden verschoben, der Urlaub ins Inland verlegt, die Mobilität im Rahmen der Corona-Politik eingeschränkt. Hinzu kam die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes.

Die eingetrübte Konsumfreude forcierte das Sparverhalten. In der Folge wuchs das Geldvermögen der Deutschen 2021 um mehr als sieben Prozent auf einen neuen Rekordwert von 7,7 Billionen Euro an. Die Sparquote ist auf ein Rekordniveau gestiegen. Das Volumen an Bargeld und Bankeinlagen hat ebenfalls einen neuen Rekord erreicht. Doch dieser Teil des Vermögens wirft für die Sparer aufgrund der Zinsflaute praktisch nichts mehr ab. Vielmehr wird dieses Vermögen durch Verwahrentgelte und Inflation still und heimlich entwertet bzw. aufgebraucht.

Der Anteil von Sichteinlagen und Bargeld am gesamten privaten Geldvermögen dürfte 2021 etwa 30 Prozent erreicht haben. Dieser Prozentsatz hatte 2008 noch bei 13,5 Prozent gelegen. Mitte 2020 lag er bereits bei über 28 Prozent. Die ganz aktuellen Zahlen werden erst im Verlauf des ersten Quartals 2022 von der Deutschen Bundesbank vorgelegt.

Was machen mit all dem Geld?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die Bankern, Fondsmanagern und auch Journalisten wie mir gestellt wird. Sicher ist: Wer wartet, verliert: Und zwar viel! Wer sein Bares auf dem Girokonto schlummern lässt, kann bei offizieller Inflation, die für das Jahr 2021 lediglich mit 3,1 Prozent angegeben wurde, in Wirklichkeit aber in den vergangenen Monaten auf annähernd zehn Prozent gestiegen sein dürfte, binnen drei Jahren rund ein Viertel seiner Kontoeinlagen verlieren. Das wirkt wie eine deutliche Steuererhöhung. Hinzu kommen Negativzinsen, die von Banken beschönigend als Verwahrentgelte bezeichnet werden. Die Einlagen auf dem Girokonto sollten daher auf das reduziert werden, was man für ein paar Monate für laufende Ausgaben und Eventualitäten oder absehbar größere Pläne vorhalten will.

Was also tun? Das Geld auf dem Konto liegen lassen, ist keine gute Idee, denn im schlimmsten Fall wird es zusätzlich durch Entgelte reduziert. Und falls wir eine neue – und diesmal wahrscheinlich noch schwerere – Finanzkrise als 2009 erleben, sind Bankeinlagen längst nicht so krisensicher wie Aktien oder Immobilien.

Doch alternative Anlagen sind meist hoch bewertet. Viele Deutsche haben zuletzt aus der Not eine Tugend gemacht und haben sich nicht nur Edelmetalle zugelegt, sondern sind in den Aktienmarkt ausgewichen. Die Zahl der Aktionäre ist nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts 2020 auf den höchsten Stand in fast 20 Jahren geklettert. Auch hier warten wir noch auf die aktuelleren Zahlen aus dem vergangenen Jahr.

Die als eher börsenscheu geltenden deutschen Sparer sind trotz der oft reichlichen Bewertungen an den Kapitalmärkten also auf einem richtigen Weg. Doch mit der erneuten Kurskorrektur, die Ende 2021 und zu Jahresbeginn an den Börsen eingesetzt hat, wird das Aufspüren vielversprechender Wertpapiere schwieriger und bedarf professioneller Begleitung.


Markus Gärtner

17. Januar 2022
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